"Sometimes I love you" – Sommerhit komponiert im Dachgarten über Norderstedt

Norderstedt. „Sometimes I love you“ – an dem Ohrwurm kommt seit einigen Wochen kein Radiosender vorbei. Doch der eingängige Song stammt nicht aus London oder Berlin, sondern aus Norderstedt, aufgenommen über den Dächern von Garstedt.

Hinter dem Künstlernamen Mistasy steckt Songwriter, Produzent und DJ Simon Michaelis, der schon seit vielen Jahren in der Musikszene zuhause ist und einige Titel veröffentlicht hat. „Ich war bisher vor allem in Deep House und Electronic Dance Music aktiv und habe viel für andere Künstler produziert, aber in diesem Jahr setze ich alles auf eine Karte und verwirkliche mein eigenes Projekt“, sagt der 37-Jährige.

Ende April wurde die Dance-Pop-Single mit gitarrenlastigem Country- und Folk-Einfluss veröffentlicht. „Der Titel ist aktuell in den bundesweiten Radio-Charts auf Platz 57 und ich hoffe, dass es noch viel weiter nach vorne geht“, berichtet der sympathische Musiker. „Es ist noch ein bisschen unwirklich, aber ich feiere es jedes Mal, wenn ich meinen Song im Radio höre.“

Mit dem Titel „Sometimes I love you“ verarbeitet er ein persönliches Erlebnis, das Loslassen einer toxischen Beziehung und den Moment, in dem man erkennt, dass Liebe allein nicht reicht, wenn sie nicht erwidert wird. Trotz des emotionalen Inhalts ist die Melodie dennoch tanzbar leicht – wie gemacht für einen lauen Sommerabend.

Aufgewachsen in Hamburg-Lemsahl bekam Simon Michaelis mit zwölf Jahren klassischen Gitarrenunterricht – auf Wunsch der Eltern. „Das war aber nicht mein Ding, ich fand es viel spannender, was der Freund meines großen Bruders machte, der war DJ – und das wollte ich auch sein.“ Doch fast wäre die musikalische Karriere schon vor dem Beginn vorbei gewesen, denn der Zwei-Meter-Mann war ein absolutes Basketballtalent, spielte für den Bramfeld SV in der Jugend-Bundesliga und schaffte es sogar zur Sichtung der U 20-Nationalmannschaft.

„Mit den Jahren wurde mir allerdings der Druck zu groß und ich konzentrierte mich wieder auf die Musik.“

Beim Label Kontor Records, an dem bis 2025 auch Scooter-Frontmann H.P. Baxxter beteiligt war, machte Michaelis eine Ausbildung zum Kaufmann für audiovisuelle Medien und stieg anschließend in der Promotionabteilung ein. Neben dem Job schrieb und produzierte er – meistens nachts –für andere Künstler wie Cosmo Klein, Soulsänger Kwadi oder Ex-Monroes-Sängerin Bahar Songs. „Ich war nicht unzufrieden, in der zweiten Reihe zu agieren, doch nun war die Zeit gekommen, meiner Leidenschaft der eigenen Musik nachzugehen.“

Nachdem sich private Veränderungen ergeben haben, hat sich auch sein Fokus in den Produktionen geändert. „Ich möchte mehr eingängige Musik für ein breiteres Publikum machen, in ehrlichen Texten von persönlichen Erfahrungen erzählen und Mut machen für einen Neuanfang.“ Wie sein großes Vorbild, der schwedische DJ Avicii, setzt auch Mistasy auf harmonische Folk-Elemente und treibende House-Beats. 

Seine neuen Songs entstehen meistens auf der Gitarre im Dachgarten seiner Garstedter Mietwohnung oder beim Autofahren, bei dem er Ideen per Sprachmemo aufnimmt. Der Künstlername Mistasy entwickelte sich übrigens aus den Spitznamen „Sy“ und „Mr. Sy“, die Michaelis beim Basketball in seiner Sportlerlaufbahn hatte.

Das Fine-Tuning der Titel erfolgt unspektakulär im „Bedroom-Studio“ – neben Kleiderschrank und Bett an einem Schreibtisch mit großem Monitor, Keyboard-Tastatur, Digital Audio Work Station – einem professionellen Mischpult –, Mikrofon sowie akustischen und elektrischen Gitarren. Einen High Class-Aufnahmeraum braucht er nicht unbedingt, „die kompakten Neubauwände haben die ideale Schalldämmung“, schwärmt der Norderstedter.

Auf der Streaming-Plattform Spotify hören sich monatlich über 220 000 Menschen seinen Titel „Sometimes I love you“ an. „Angesichts dessen, dass täglich über 100 000 neue Songs hochgeladen werden, empfinde ich eine große Dankbarkeit, dass ich meinen Traum von einer neuen Karriere umsetzen darf.“ Damit es nicht bei einem „One-Hit-Wonder“ bleibt, hat Simon Michaelis aka Mistasy bereits etliche potenzielle Nachfolger-Songs geschrieben, mal groovig, mal poppig, aber immer mit Emotionen. Welcher Titel es wird, entscheiden die Label-Manager von Kontor Records mit ihm, denn dort ist Michaelis wieder „gelandet“ – allerdings nicht als Mitarbeiter, sondern auf der anderen Seite als Künstler, für den nun Andere Promotion machen. So gab es vergangene Woche bereits ein Live-Interview mit Radio Hamburg- Musikchef Tim Gafron.

Und wo soll es noch hingehen? „Gerne würde ich einen Song mit der Hamburger Newcomerin Tiffany Aris aufnehmen, die Ähnliches wie ich durchlebt hat“, wünscht sich der leidenschaftliche Musikenthusiast. „Und als DJ beim Strandgut Festival in Eckernförde, der Travemünder oder Kieler Woche auflegen zu dürfen und von der Bühne die Massen zu begeistern, wäre grandios – die Stimmung dort ist einzigartig.“