FUHLSBÜTTEL Für manche Kirchgänger ist Xiaojing Sheng keine Unbekannte. In Corona-Zeiten hatte sie in den Gemeinden St. Lukas und Ohlsdorf-Fuhlsbüttel vertretungsweise den Chor geleitet. Nun hat die 37-Jährige eine Festanstellung als Kirchenmusikerin erhalten.
„Ich bin glücklich, wieder hier zu sein. Es sind sehr musikalische Gemeinden, deren Mitglieder gerne singen, eine hohe Erwartung an die Kirchenmusik haben und offen sind für Neues“, sagt Xiaojing Sheng.
Die gebürtige Chinesin begann mit fünf Jahren auf Wunsch ihrer Mutter mit dem Klavierunterricht, fand während der Schulzeit in Shanghai Gefallen an dem Instrument und ging nach dem Schulabschluss für ein Klavier-Masterstudium in die ukrainische Schwarzmeerstadt Odessa. Im Nebenfach lernte die damals 18-Jährige die Orgel kennen und lieben.
„Orgel ist ein faszinierendes Instrument, das mir jedes Mal, wenn ich es spiele, Gänsehaut macht. Von seinem Klang eingehüllt zu sein, ist einzigartig und sehr berührend“, sagt Xiaojing Sheng, deren Lieblingskomponisten Bach, Brahms und Beethoven sind.
Für eine weitere Ausbildung kam nur das „Orgelland Deutschland“ in Frage. 2014 ging die junge Frau nach München. „Im Gasteig, Europas größtem Kulturzentrum, durfte ich mich für die Aufnahmeprüfungen für ein Kirchenmusikstudium vorbereiten – und in Hamburg hat es dann geklappt.“ Nach ihrem Abschluss 2023 arbeitete sie zunächst in einer Kirchengemeinde im schleswig-holsteinischen Barmstedt, bevor sie sich erfolgreich gegen andere Bewerbende für die offene Stelle in Fuhlsbüttel-Ohlsdorf durchsetzen konnte.
Im Gottesdienst spielt Xiaojing Sheng die Orgel, leitet die Kantorei, den Kinderchor und die Kammermusikgruppe, aus der sie gerne ein Kammermusikorchester machen möchte – „aktuell fehlen dafür noch Cello und Bratsche.“ Zudem gibt die Profi-Musikerin Orgelunterricht mit Übungszeiten an der neo-französischen Metzger-Orgel in St. Lukas und an der barocken Führer-Orgel in St. Marien.
Auch die Organisation von Konzerten fällt in den Arbeitsbereich von Xiaojing Sheng, die sagt: „Kirchenmusik verbindet Menschen und macht die Kirche zu einem Kulturzentrum.“
So findet am Sonntag, 28. Juni, um 17 Uhr in St. Marien im Maienweg 270 ein Konzert mit dem „Gloria in D“, RV 589, und dem „Concerto in C“ für Blockflöte, RV 444, von Antonio Vivaldi statt. Mit dabei sind die Sopranistinnen Linda Wesche und Amy Elizabeth Buttschardt, Yu-Ching Chao an der Blockflöte sowie die Kantorei Fuhlsbüttel-Ohlsdorf unter der Leitung von Xiaojing Sheng. Der Eintritt ist frei, eine Spende wird erbeten.
