LANGENHORN Schockanrufe sind perfide Betrugsmaschen am Telefon, bei denen Kriminelle vor allem Seniorinnen und Senioren emotional unter Druck setzen, um an deren Geld und Schmuck zu kommen.
2024 registrierte die Hamburger Polizei 74 vollendete Straftaten mit einem Gesamtschaden von etwa drei Millionen Euro. Im vergangenen Jahr waren es bereits 162 Taten mit sieben Millionen Euro Beute – die Tendenz ist steigend.
„Viele Leute sind der Auffassung, dass ihnen so etwas nicht passieren könnte. Doch dann fallen sie doch auf einen manipulativen Anruf herein und letztlich sind ihre Rücklagen und die Altersvorsorge weg“, weiß Yvonne Schlegel, Stadtteilpolizistin des Polizeikommissariats 34.
Die Anrufer missbrauchen das Vertrauen der meist älteren Menschen, indem sie sie mit einer erfundenen Lügengeschichte schockieren. So soll etwa die Tochter einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht haben und könne nur durch die Zahlung einer hohen Kautionssumme vor dem Gefängnis bewahrt werden. Weinen und Schluchzen der angeblich Betroffenen am Telefon dramatisiert die Lage. Die Täter geben sich oft als Polizisten oder Staatsanwälte aus, sind sehr geschickt in der Gesprächsführung und wissen zu vermeiden, dass ihr Opfer seinen Verstand einschaltet, indem sie Zeitdruck aufbauen. Oftmals rufen sie mehrmals oder über mehrere Tage an. Das Geld für die Kaution müsse sofort übergeben werden, am besten zuhause oder abends an einem „seriösen“ Ort wie etwa vor einem Gerichtsgebäude.
„Um es dazu gar nicht kommen zu lassen, raten wir, bei Gesprächen mit fremden Personen, die Geld fordern, sofort aufzulegen und die Polizei zu informieren“, empfiehlt Stadtteilpolizistin Bianca Janzing. Ein weiterer Tipp: Mit Familienmitgliedern ein Code-Wort vereinbaren, etwa die eigene Lieblingsblume, um die angeblich in Schwierigkeiten steckende Person zu verifizieren – oder am besten zeitnah bei ihr anrufen.
Es gibt noch zwei weitere telefonische Betrugsmaschen. Bei der einen ist ein vermeintlicher Einbrecher festgenommen worden, auf dessen Liste der Name des Angerufenen steht und die Polizei müsse vorbeikommen, um Geld und Wertsachen vorsichtshalber zu sichern. Bei der anderen Version ruft ein fingierter Bankmitarbeiter an, der verdächtige Kontobewegungen registriert habe. Auch hier käme die Polizei vorbei, um EC-Karte und PIN zur Prüfung abzuholen. In beiden Fällen heißt es auch hier: Sofort auflegen!
Im Rahmen einer hamburgweiten Kampagne möchten die beiden Stadtteilpolizistinnen am Dienstag, 16. Juni, von 11 bis 14 Uhr auf der überdachten Marktfläche des LaHoMa Seniorinnen und Senioren für das Thema sensibilisieren, über die Varianten des Telefonbetrugs informieren und aufzeigen, wie man sich dagegen schützen kann.
