LANGENHORN Lebendiger Geschichtsunterricht der besonderen Art fand vergangene Woche am Ochsenzoll statt. 60 Schülerinnen und Schüler aus vier Jahrgängen der Stadtteilschule am Heidberg nahmen am Gedenkmarsch in Erinnerung für ein nahezu unbekanntes, grausames Ereignis vor 81 Jahren statt.
Am 12. April 1945 wurden rund 800 Häftlinge vom NS-Regime aus dem Polizeigefängnis Fuhlsbüttel auf einen viertägigen Todesmarsch nach Kiel getrieben – quer durch Langenhorn und das heutige Norderstedt, teilweise ohne Schuhe und nur mangelhaft verpflegt. Mindestens neun von ihnen wurden unterwegs erschossen.
Zusammen mit der Gedenkstättenpädagogin Kim Kielau hatten sich einige Jugendliche mit den Biografien zweier Menschen befasst, die den Todesmarsch überlebten. Mit eindringlichen Worten schilderten Siebtklässler die Schicksale von Hilde Sherman und Wübbo Sielmann und hatten Plakate mit bewegenden Zitaten der beiden Persönlichkeiten angefertigt.
„Es ist wichtig, Geschichte nicht vergessen zu lassen – gerade im Hinblick auf die geopolitische Lage in vielen Ländern weltweit. Die Demokratie muss geschützt werden, auch mit solchen Zeichen wie dem Gedenkmarsch“, sagte Ben. Der 13-Jährige gehört mit elf weiteren Siebtklässlern zur neuen „Demokratie-Jugend“ der Stadtteilschule am Heidberg, die von zwei Schülerinnen der neunten Klasse geleitet wird.
Mariam und Marta, beide 14 Jahre, haben dafür über mehrere Monate eine Fortbildung als „DemokratieTalente“ von der Organisation Common Purpose erhalten, um sich für Demokratie einzusetzen und sie mit eigenen Ideen mitzugestalten. Die Ausarbeitung und aktive Beteiligung an dem Gedenkmarsch war ein erstes Projekt der „DemokratieTalente“. „Demokratische Themen sind vielfältig und umfassen auch die Teilhabe in unserer Gesellschaft. Als Nächstes planen wir mit der ‚Demokratie-Jugend‘ Workshops zur Gebärdensprache und möchten uns bei der Tafel engagieren“, sagte Mariam.
Bis zum Mittwoch, 29. April, werden einige Biografien von Häftlingen, die auf den Todesmarsch geschickt wurden, im Schulgebäude in der Tangstedter Landstraße 300 (Haus C, 1. Stock, vor dem Sekretariat) ausgestellt. Zwischen neun und 14 Uhr kann die Ausstellung von jedermann besucht werden.
