NORDERSTEDT. Waren das noch Zeiten! Unvergessen, als Lehrer Fiebelkorn Schüler zum Zigarrenholen zum Harksheider Markt schickte – und das in der Erdkundestunde! Heute undenkbar, wie auch die Prügelstrafe, die erst 1973 bundesweit verboten wurde.
Das ist lange her, ebenso wie der Abschluss der 22 ehemaligen Schülerinnen und Schülerd der Klasse 10a, die im März 1966 ihre Mittlere Reife an der der Realschule Harksheide in der Straße Fadens Tannen erlangten.
13 von ihnen trafen sich nun zum 60. Jahrestag im Restaurant „Ionios“ in der Rathausallee, um gemeinsam Erinnerungen aufleben zu lassen. Udo Lukesch war extra aus dem bayerischen Sonthofen angereist. Und Jutta Hartmann, geborene Dwinger, war auch dabei. Ihr Vater, Gerd Dwinger, war in der 1960er Jahren Chefredakteur des Heimatspiegels und anfangs nicht begeistert, dass seine Tochter bei „seiner“ Lokalzeitung ein Volontariat absolvieren wollte. „Ich habe meinen Kopf trotzdem durchgesetzt, auch wenn die Ausbildung hart war und mein Vater mir jederzeit klarmachte, dass ich gerade als Tochter keine Extrawurst erhalten würde“, erinnert sich die 77-Jährige und ergänzt: „Alles, was ich kann, habe ich hier in Norderstedt gelernt.“ Und das lässt sich sehen, denn auf der Karriereleiter hat es Jutta Hartmann bis zur Leiterin der Wissenschaftsredaktion des Hessischen Rundfunks gebracht.
Seit vielen Jahren lebt sie mit ihrer Familie in Düsseldorf. Ihrer alten Heimat stattete sie seit 16 Jahren erstmals wieder einen Besuch ab. Ihr Urteil: „Harksheide war ein verschlafener Ortsteil, in dem nicht viel los war, doch er hat sich gemacht und ist viel städtischer geworden.“
Dabei war man in Harksheide zu damaliger Zeit sehr weitsichtig und baute in Fadens Tannen neben dem Aufbauzweig der Immenhorstschule die erste Mittelschule (später Realschule), um mehr Kindern eine höhere Schulbildung zu ermöglichen. „1961 waren wir die Ersten, die das neue Gebäude einweihen durften – das war schon toll“, erinnert sich Heidi Schweinfest, damals Schön. Heute existiert die Schule nicht mehr. In dem Bauwerk sind mittlerweile geflüchtete Menschen untergebracht.
Bei „Ionios“ wurden Anekdoten aus der Schulzeit aufgefrischt und besondere Ereignisse erinnert. Dazu zählte die Abschlussklassenreise nach Würzburg. „Örtliche Studenten hatten ein Auge auf uns Norderstedter Schülerinnen geworfen hatten und fuhren am Abreisetag unserem Reisebus in ihrem offenen Fiat hinterher. Das hat den Lehrern und uns auf unterschiedliche Art Hitzewallungen beschert“, feixte Elske Pflughaupt.
Zusammen mit Norbert Haase und Heidi Schweinfest hat sie erstmals das Klassentreffen organisiert. Aus dem entfernten Frankreich steuerte Margret Baillet, die bisherige Treffen ausrichtete und aus familiären Gründen dieses Mal nicht dabei sein konnte, wichtige Kontaktdaten bei.
Das nächste Klassentreffen wird übrigens bereits 2027 stattfinden. „Angesichts unseres fortgeschrittenen Alters und der Tatsache, dass sich der Kreis immer mehr verkleinert, werden wir uns künftig jährlich im März sehen“, so Elske Pflughaupt.
