Tangstedt. Kulleraugen, Schlappohren und kurze Beine – mit seinem unwiderstehlichen Dackel-Charme wickelt Anton jeden Zweibeiner um seine Pfoten. Und das sogar „beruflich“, denn der kleine Rüde ist ein ausgebildeter Besuchshund. Doch bisher hat er noch keinen Job gefunden, denn die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt für Streicheleinheiten ist groß.
„Dackel brauchen etwas für den Kopf, sonst machen sie Blödsinn“, weiß „Frauchen“ Iris Wenckstern, die seit sieben Jahren mit dem elfjährigen Hund zusammenlebt. „Anton ist allen Menschen sehr zugewandt und lässt sich gerne streicheln. Es gibt fast keine Gassi-Runde, auf der wir nicht angesprochen werden und der Hund von Klein und Groß nicht gekrault wird“, erzählt die Tangstedterin. Als sie von der kostenlosen Besuchshund-Ausbildung bei den Maltesern Norderstedt hörte, wusste sie: Das ist etwas für ihren drei Kilo leichten Kaninchendackel.
Ziel ist, Senioren in Heimen und Privatwohnungen aus Lethargie und Einsamkeit zu holen und kranken sowie eingeschränkten Menschen in Hospizen, Behinderten- und Jugendeinrichtungen als Seelentröster Freude durch Besuche oder gemeinsame Spaziergänge zu bringen. Neben den Maltesern bietet auch der Arbeiter-Samariter-Bund sowie das DRK in den Ortsverbänden von Segeberg und Stormarn entsprechende ehrenamtliche Ausbildungen an.
Die Anforderungen für die vierbeinigen Besuchshund-Anwärter sind hoch. Vorausgesetzt werden eine hohe Toleranz, ein guter Grundgehorsam und Gelassenheit. Über knapp ein Jahr hinweg wird in praktischen Übungen etwa der Umgang mit Gehhilfen, Rollstühlen und ungewohnte Bewegungen trainiert – Stresssituationen, an die sich die Hunde gewöhnen müssen. Elementar ist auch das Giftködertraining. „Die Tiere lernen dabei, niemals Dinge vom Boden aufzunehmen oder aufzulecken, denn das könnten etwa Tabletten von Patienten oder Bewohnern sein. Geübt wird das mit einer unwiderstehlichen ‚Leckerli-Straße‘, die jeder Hund passieren muss, ohne ‚weich‘ zu werden“, erzählt Iris Wenckstern. Wichtig sei auch, dass der Rückruf durch die Halterinnen und Halter immer klappt – unter jeden Umständen. „Als Ablenkung werden die Hunde zum Beispiel mit Quietschebällen konfrontiert und müssen diese ignorieren. Das ist Anton anfangs schwergefallen, denn er liebt Bälle, aber hat auch diese Aufgabe gemeistert“, so die 59-Jährige.
Ende vergangenen Jahres hat das Team aus Tangstedt die Abschlussprüfung mit Bravour bestanden. Dabei war Anton der einzige Dackel unter 25 Hunden. Das hat ihm schon während der Ausbildung den Respekt der menschlichen Teilnehmer eingebracht, denn Dackel haben bekanntlich ihren eigenen Kopf und scheren sich oft nicht um Anweisungen.
„Ich wusste schon immer, dass ich einen Weltklassedackel habe“, sagt das stolze „Frauchen“ und blickt mit einem warmen Lächeln auf Anton, der es sich während des Gesprächs in seinem Hundekörbchen gemütlich gemacht hat. „Schon als ich ihn das erste Mal sah, war ich schockverliebt und kann bis heute nicht verstehen, warum ihn seine Vorbesitzerin damals unbedingt abgeben wollte. Er ist mein Herzenshund, der mich überallhin begleitet.“
Und nun möchte sie diese Zuneigung mit anderen Menschen teilen. Im Rahmen der Besuchshund-Ausbildung verpflichten sich alle Teilnehmenden, mindestens ein Jahr ehrenamtlich für die Malteser tätig zu sein und auch Einsatzorte zu akquirieren. „Ich möchte mit Anton gerne einmal pro Woche für ein bis zwei Stunden Menschen zwischen Henstedt-Ulzburg und den Hamburger Walddörfern glücklich machen, bei ihnen Erinnerungen wachrufen und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern“, wünscht sich Iris Wenckstern. Allerdings haben erste Anfragen ihrerseits bei Seniorenheimen und Hospizen in der Umgebung gezeigt, dass etliche tierische Jobs bereits vergeben sind. „Vielleicht besteht Bedarf in einer Tagespflege-Einrichtung im Umkreis?“, fragt die ehemalige Krankenschwester. Auch für private Einzelbesuche wäre sie offen und käme mit Anton ins Haus oder in die Wohnung.
Wer Interesse an kostenlosen Besuchen von Anton hat, meldet sich gerne per E-Mail unter [email protected].
