FUHLSBÜTTEL Yvonne Schlegel kennt jede Straße und jede Ecke im Stadtteil – das muss sie auch, denn die Polizistin ist das, was früher als Bürgernaher Beamter („BünaBe“) bekannt war und heute BFS, Besonderer Fußstreifendienst, heißt.
Bis zu zehn Kilometer legt die 49-Jährige täglich bei Wind und Wetter per pedes auf ihrer großen Runde zurück, die von der U-Bahnstation Fuhlsbüttel-Nord bis zur Röntgenstraße führt. Seit eineinhalb Jahren ist die Oberkommissarin für die Polizeiwache 34 im Wördenmoorweg tätig, zuvor war sie elf Jahre im Streifen- und knapp neun Jahre im Bereitschaftsdienst.
„Ich wollte schon als Jugendliche zur Polizei“, erzählt Yvonne Schlegel. Die TV-Serie „Großstadtrevier“ hat sie damals inspiriert – besonders die Streifenpolizistin Ellen Wegener mit ihrer freundlichen und besonnenen Art, auf Menschen zuzugehen und Probleme zu lösen.
Vor allem die Abwechslung als BFS hat es Yvonne Schlegel angetan. „Ein reiner Schreibtischjob wäre nichts für mich. Ich bin gerne unterwegs und unter Menschen.“
Allein durch ihre Präsenz vermittelt sie ihnen ein subjektives Sicherheitsgefühl und wird immer wieder auf der Straße angesprochen. Dabei geht es etwa um vermeintliche Schrotträder oder Falschparker – manchmal heißt es aber auch nur „schön, dass Sie da sind“.
Wer auf dem Gehweg Rad fährt, seinen Hund ohne Leine laufen lässt oder zu zweit auf einem E-Scooter unterwegs ist, der wird von Yvonne Schlegel angesprochen. „Ich begegne den Menschen immer positiv, offen und freundlich und suche das Gespräch – Deeskalation ist das Zauberwort“, so die dreifache Mutter. Gegebenenfalls gibt es auch mal ein Ticket, etwa wenn Elterntaxis wiederholt verkehrswidrig vor den Schulen parken.
Prävention, Vermittlung bei Konflikten und Kontaktpflege zu den Anwohnern gehören zu den Hauptaufgaben der Stadtteilpolizistin, aber auch Opfernachsorge. Nach Straftaten, Einbruch oder Telefonbetrug bietet sie einen Besuch an, der vor allem von älteren Menschen gerne angenommen wird – „es sind schöne Momente, wenn man merkt, dass ihnen ein Gespräch guttut.“
Kein Tag sei wie der andere und auch ihr Weg durch den Stadtteil sei nie jeden Tag gleich. Als Cop4U ist Yvonne Schlegel an den Grundschulen Ratsmühlendamm und Eschenweg sowie am Gymnasium Alstertal zu Gast und vermittelt bei Konflikten unter Schülern oder auch zwischen Schulleitung und Eltern.
„Fuhlsbüttel ist kein besonders kriminalitätsbelasteter Stadtteil, aber auch hier geschehen Straftaten“, weiß die Oberkommissarin, die stets mit Dienstwaffe und schusssicherer Weste im Einsatz ist. Mal bringt sie Ruhe in Streitigkeiten in Unterkünften für Geflüchtete, mal schützt sie Opfer von häuslicher Gewalt und überprüft vor Ort, ob sich Täter an das Rückkehr- und Betretungsverbot halten. In brenzligen Situationen werden die Kollegen der Streifenpolizei hinzugezogen – und umgekehrt unterstützt die Fußstreife auch den Funk-Streifendienst. Gemeinsam werden Laternenumzüge begleitet, „und bei Festen wie dem Tag der offenen Tür der Feuerwehr sind wir bei Kindern mit unseren Dienstwagen immer der Magnet“, freut sich Yvonne Schlegel, die nach Feierabend Tabata, ein hochintensives Intervalltraining, sowie Yoga praktiziert, um für ihren Langstrecken-Job sportlich fit zu bleiben.
