LANGENHORN Der Wintereinbruch zu Jahresbeginn mit heftigen Schneefällen hat so manchen Hamburger überrascht. Besonders dramatisch war die Lage im Schröderstift.
„Ich kam vier Tage nicht aus dem Haus, weil es keinen vernünftigen Winterdienst gab. Die Wege von und zu unseren Häusern wurden selten bis gar nicht geräumt, geschweige denn gestreut, und waren daher nur unter Gefahr zu betreten“, berichtet Erika Beckmann. Die 86-Jährige lebt seit 31 Jahren in der Senioren-Wohnanlage und ist mittlerweile auf einen Rollator angewiesen. Einen „Ausflug“ zu den Müllcontainern bereut sie bis heute – „ich bin auf dem spiegelglatten Weg gestürzt und habe seitdem Schmerzen im Knie.“
Auch Rüdiger Schümann macht den Vermietern wegen des mangelnden Winterdienstes Vorwürfe, hat sie mehrmals per E-Mail an die Stiftleitung geäußert und an diversen Tagen zu unterschiedlichen Tageszeiten per Handyfotos die Szenerie dokumentiert. So auch die Schneewälle, die ein Räumfahrzeug vor die Müllcontainer geschoben hatte. „Es ist verantwortungslos, respektlos und rücksichtlos, dass die schlampige Arbeit des Winterdienstes toleriert wird, so dass sich einige Bewohner aus Angst vor Unfällen nicht aus dem Haus trauten“, sagt der 70-Jährige.
Annegret Lebahn ist eine Frau der Tat. Sie schnappte sich einen Spaten und legte selbst Hand an. „Über zwei Stunden habe ich einen Weg zu den Müllcontainern bis auf die Steine von Schnee und Eis befreit – danach war alles wieder begehbar, aber ich war völlig k.o.“, berichtet die 75-Jährige und fügt an: „Es kann doch nicht sein, dass wir Mieter solche Arbeiten machen müssen – wir zahlen schließlich mit den Mietnebenkosten für einen professionellen Winterdienst.“
Ob der überhaupt entsprechend rechtzeitig beauftragt wurde, bezweifeln die Senioren. „Objektiv war nur sehr selten ein Räumtrupp zu sehen und wenn, hat er nur selektiv einige Wege bearbeitet“, so Rüdiger Schümann. Was aber immer schnee- und eisfrei gewesen wäre, sei der Weg zum Büro der Stiftsleitung. „Wurde hier mit zweierlei Maß gemessen?“, fragt er süffisant.
Auf Anfrage des Wochenblattes äußert sich die Stiftsleitung wie folgt: „In der Anlage Kiwittsmoor 18a-26 ist ein professionelles und spezialisiertes Unternehmen im Winterdienst mit drei Mitarbeitenden im Einsatz. Ein Räumfahrzeug bearbeitet die Zufahrten, zwei Mitarbeitende mit Kehrmaschinen räumen und streuen die Gehwege. Grundlage hierfür sind verbindliche Lagepläne, die den Räum- und Streuumfang eindeutig festlegen. Die Einsätze werden über ein Telematiksystem koordiniert und mit Fotos dokumentiert. Im Zeitraum vom 2.1. bis 13.1.26 war das Unternehmen insgesamt elfmal zum Räumen und Streuen im Einsatz, zusätzlich unsere Hausmeister, Handwerker und Mitarbeiterin siebenmal zum punktuellen Streuen und Schieben. Die Einsätze erfolgten tagsüber als auch nachts, bei Bedarf auch mehrmals am Tag.“
Der Richtigkeit der Informationen misstrauen die Senioren – auch aus eigener Erfahrung. Sie haben den Hamburger Mieterbund eingeschaltet und hoffen, dass es keine weitere Schneekatastrophe geben wird.
