Per Fernstudium zur Pastorin

FUHLSBÜTTEL Gute Nachricht im Advent: Nach ihrem dreijährigen Probedienst hat sich Pastorin Annelott Bader entschieden, in der Kirchengemeinde Ohlsdorf-Fuhlsbüttel zu bleiben.

Der Kirchengemeinderat wählte sie einstimmig und am ersten Advent wurde die neue Pastorin offiziell in der Kirche St. Marien durch Propst Dr. Heiko Landwehr eingeführt.

„Ich freue mich, mit Haupt- und Ehrenamtlichen Kirche vor Ort weiterhin lebendig und vielfältig gestalten zu dürfen“, sagt die 49-Jährige und ergänzt: „Ich wünsche uns allen Mut und Kraft, die Veränderungen der Kirche und Gemeinde aktiv zu formen und offen zu sein für Neues.“

Ihr Weg auf die Kanzel war alles andere als gewöhnlich. Zwar hatte sie als Abiturientin mit dem Theologiestudium geliebäugelt, dann jedoch ein Studium als Gebärdensprachdolmetscherin gewählt. „Nach zwölf Jahren freiberuflicher Tätigkeit für Unternehmen, in Kitas und Schulen sowie an der Uni war ich jedoch nicht mehr glücklich“, erzählt Annelott Bader. Jahrelang hatte sie sich ehrenamtlich in der Auferstehungskirche Barmbek engagiert, darunter im Kirchengemeinderat und beim Anleiten eines Glaubenskurses und große Freude empfunden. Da war er wieder, der Wunsch, intensiver in die Theologie einzutauchen.

Mit 40 Jahren absolvierte die zweifache Mutter parallel zum Dolmetschen ein Fernstudium in evangelischer Theologie an der Uni Marburg. „Es hat mich erfüllt und auch erlaubt, vieles in Frage zu stellen“, so die gebürtige Hessin. Nach dem Master-Abschuss schloss sie ein Vikariat in St. Gertrud auf der Uhlenhorst an und wechselte danach für einen dreijährigen Probedienst als Pastorin in die Kirchengemeinde Ohlsdorf-Fuhlsbüttel, der nun in einen Dienst auf Lebenszeit mündete.

„Ich liebe es, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, ihre Geschichten zu erfahren und sie in verschiedenen Lebenssituationen einfühlsam begleiten zu können“, so Bader.

Wie in vielen Gemeinden hat auch die neue Pastorin mit schrumpfenden Mitgliederzahlen zu kämpfen. „Wir können nicht darauf warten, dass die Menschen zu uns kommen. Sie zu erreichen, ist eine herausfordernde Aufgabe. Dafür muss Kirche attraktiver werden, netzwerken und in den Stadtteil gehen.“ Beispiele, die bereits gut funktioniert haben, sind sommerliche Gottesdienste im Alstertal, ein Tauffest am Alsterwanderweg oder Kinoabende in der Kirche. „Ich habe Lust, hier mal etwas Neues auszuprobieren, wie etwa einen Frühstücksgottesdienst oder Taizé-Andachte mit meditativen Gesängen und kurzen Texten als Auszeit vom Alltag“, sagt Annelott Bader.

Viele Menschen seien in den unübersichtlichen Zeiten mit Kriegen und Krisen auf Sinnsuche. „Die Bibelgeschichten sind ein großer Schatz, zwar uralt, haben aber immer auch einen aktuellen Bezug, weil sie existenzielle Fragen behandeln. Und sie bieten Zuversicht, nicht vor dem großen Ganzen zu resignieren, sondern im Kleinen Veränderungen zu schaffen und zu helfen“, so die Kirchenfrau.