
LANGENHORN Alfred ist ein echter „Börner“, wie sich die Bewohner der Fritz-Schumacher-Siedlung nennen. Nur lebt er nicht in einem der denkmalgeschützten Reihen- und Doppelhäuser, sondern in einem großen Naturteich – denn Alfred ist ein Karpfen.
Und zwar ein besonderer. „Der Schuppenkarpfen ist die Urform aller Karpfen – bei Anglern eher unbeliebt wegen des ‚lästigen‘ Schuppenkleides, das man vor dem Verzehr beseitigen muss, im Gegensatz zum begehrten Spiegelkarpfen mit deutlich weniger Schuppen“, erklärt Christian Hirsching. „Von oben sieht der Schuppenkarpfen zwar grau und unscheinbar aus, aber an den Seiten ist er wunderschön golden gefärbt.“
1993 legte der 59-Jährige im Garten des 1920 gebauten Siedlerhäuschens, in dem seit Opa früher einen Malerbetrieb hatte, einen gut 20 Quadratmeter großen und 1,80 Meter tiefen Teich an. Mit Granitfindlingen aus einer Kieskuhle, einer wild umwachsenen Flachwasserzone, riesigen Bambuspflanzen und einer drei Meter hohen Bananenstaude schuf er ein kleines Paradies.
„Ich wollte etwas für die Natur tun, für Vögel, Kröten, Frösche, denn die haben immer weniger Platz.“ Wie der Eisvogel, der einst im Raakmoor zuhause war, aber dort keine Ruhe findet angesichts der vielen Spaziergänger. Bei Christian Hirsching ist es schön ruhig und mit kleinen Fischen wie Rotfedern und Goldorfen gibt es genug Futter.
Überhaupt essen – am liebsten sind Alfred, der durch eine alte Verletzung eine markante Rückenflosse hat, und seine sieben Karpfenfreunde Nudeln. „Alle paar Tage koche ich einen großen Topf für die Truppe“, so Hirsching. Kartoffelschalen, Mais und Toastbrot sind auch beliebt.
Alle drei Jahre wird abgefischt und gut 15 Liter Schlamm aus dem Gewässer geholt. Dann ist wieder alles schick für die Teichbewohner.
Hirsching liebt den entspannenden Blick aufs Wasser, manche Nachbarn kommen vorbei, um Ruhe zu tanken und Enten fühlen sich auch wohl. Jedes Jahr zieht ein Paar hier seine Küken auf. „Es ist zu schön, wenn die Kleinen ihre ersten Schwimmversuche machen.“
Dass Alfred niemals auf dem Teller landen wird, steht für den Hobbyangler fest. „Bei mir ist er zuhause“ – für lange Zeit, denn Schuppenkarpfen können gut 35 Jahre alt werden.