Singen hinterm Schleier

Langenhorn Der Anblick der Chormitglieder des Langenhorner Gesangvereins von 1866 mutet etwas orientalisch an. „Das ist unser ‚Sängerschleier‘“, ruft Birgit Schmitz vergnügt, „eigens von uns entworfen.“ 40 Stück der gepunkteten Gesichtsbedeckung, die von der Nasenwurzel bis zur Höhe des Brustbeins reicht, hat die 1. Vorsitzende zusammen mit einem Chormitglied genäht. „Zwar dürfen wir seit 1. Juli ohne Maske singen, aber wir haben uns gemeinschaftlich für diese zusätzliche Vorsichtsmaßnahme entschieden – zu sehr haben wir uns gefreut, endlich wieder zusammen proben zu können.“

Um sich gegenseitig zu schützen, übertreffen die Chormitglieder sogar die behördlichen Auflagen. Im Eingangsbereich des LaLi, ihrem Probenraum, hängt ein Spender zur Handdesinfektion, im WC steht medizinisches Mundwasser zum Ausspülen des Rachenraums. Stühle sind im vorgeschriebenen Abstand von 2,5 Meter platziert und eine Be- und Entlüftungsanlage sorgt dafür,  dass kritische Aerosole nicht in der Raumluft verbleiben.

Ganz anders zu Beginn der Corona-Pandemie. „Von März bis Mai waren Proben nicht möglich – in geschlossenen Räumen war Singen offiziell verboten“, sagt Birgit Schmitz. Die Internet-Plattform Zoom bot keine wirkliche Alternative, so dass Chorleiter Sebastian Bielicke seine 27 Sängerinnen und Sänger im Alter von 16 bis 82 Jahren mit CDs und Tondateien zur heimischen Vorbereitung versorgte. „Anfang Juni ging es mit jeweils 20 Minuten Einzelunterricht los, wenig später konnten wir in Gruppen mit 15 Personen proben“, sagt der Gesangspädagoge.

Die herkömmlichen Gesichtsmasken schränkten Kieferbeweglichkeit und Atmung ein. Etwas Luftigeres musste her: der „Sängerschleier“ war erfunden, mit herausnehmbarem Plastikschild, das die Durchnässung verhindert.

Dem Klang der Stimmen ist das innovative Accessoire wenig abträglich. Jeden Mittwochabend wird ehrgeizig geprobt, denn am 11. Oktober steht ein Konzert an: das Oratorium „Vier Tageszeiten“ von Georg Philipp Telemann in Begleitung des  Pianisten Henning Lucius und vier Profi-Gesangssolisten. Der Aufführungsort steht Corona-bedingt noch nicht fest. Vielleicht wird es nur einen Live-Stream ohne Publikum geben – aber gesungen wird auf jeden Fall.

Wer Lust hat, den Chor als Tenor zu verstärken, meldet sich gerne  per Mail bei [email protected].